Avatar als prothese beschnitten

27.06., 20:00 bis 21:00 Uhr, Import Export

Avatar als Prothese

Gretta Louws Foschungsprojekt zu Virtualität und Anderskörperlichkeit

Im Rahmen einer künstlerischen Recherche forscht die Medienkünstlerin Gretta Louw nach den Möglichkeiten, die sich durch Avatare für kollaborative Kunstprojekte und Projekte im Bereich Kunst und Inklusion ergeben. Fünf Monate lang arbeitete sie mit Dr. Karin Guminski und ihren Studierenden der Kunstpädagogik LMU München und den körperbehinderten Künstlern der Pfennigparade an künstlerischen Projekten: zum Teil konkreten Avataren, aber auch Konzepten, Bildern und kritischer Auseinandersetzung.
Der virtuelle Raum ist keine Fiktion, er wird "real" erlebt und kann damit eine Zone zum Ausprobieren und Lernen sein, aber auch ein Ort für Flucht und Zuflucht. Im virtuellen Raum können tiefgreifende psychische Veränderungen ausgelöst werden, in der Psychotherapie werden derartige virtuelle Techniken unter dem Namen "Avatar Therapy" bereits genutzt. Der Avatar kann eine Möglichkeit sein, andere Körperlichkeit zu denken und damit reale kommunikative Situationen im virtuellen Raum zu erleben. Der digitale Raum ist grundsätzlich unbegrenzt und kann erobert und als emanzipatorisches Werkzeug genutzt werden. Er kann ein Entwicklungsraum für vernachlässigte Themen sein, ihnen helfen Sichtbarkeit zu erzeugen und Verbindungen zu denken, die dann greifbare Konsequenzen in der realen Welt haben.

Das Projekt AVATAR ALS PROTHESE macht aber auch Probleme unserer Gesellschaft bewusst: welchen Platz können "Andersartigkeit" oder "Anderskörperlichkeit" in einer Gesellschaft mit einem starken Körperideal einnehmen? Die Themen der behinderten Künstler, wie zum Beispiel der Wunsch nach mehr Akzeptanz, haben durchaus Brisanz für eine Gesellschaft, in der viele selbst unter dem Druck der Selbstoptimierung leiden. Authentizität, Vielfalt, sowie künstlerische Situationen können nur entstehen, wenn jenseits der technologischen Optimierungsstrategien, auch Schwäche ermöglichen, akzeptieren und einen liebevollen Umgang damit pflegen.

Die Veranstaltung wird gefördert vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München.

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